Zum Tamadaba wandern auf königlichen Pfaden

Mit Auf- und Abstiegen zum Tamadaba wandern

Wer im Nationalpark Tamadaba wandern möchte, findet einige Wege. Eine der abwechslungsreichsten und schönsten Wandertouren, die Gran Canaria zu bieten hat, führt durch den Tamadaba und über einige der ältesten Wege der Insel: die caminos reales (Königswege). Mit den Auf- und Abstiegen von etwa 1.170 Höhenmetern auf der rund 16 Kilometer langen Tour ist die Wanderung allerdings etwas fordernd. Nicht geeignet für Ungeübte also. Wer sich aber auf den Weg macht, wird reich beschenkt: Auf der Rundwanderung passiert man Schluchten, Höhlendörfer in ockerfarbenen Felsen (u. a. aus prähispanischen Zeiten), ein verlassenes Heilbad, die Ruine einer ehemaligen Mühle, einen smaragdfarbenen Stausee und einen herrlich duftenden Kiefernwald im Tamadaba-Nationalpark.

Für die kleine Pause unterwegs: Kühlende Getränke und Essen gibt’s beim Refugio El Hornillo. Direkt am kleinen Kirchplatz gelegen und vor allem mit toller Aussicht auf Höhlen in den Felsen und das Agaete-Tal.

Wer zum Tamada wandern möchte und im Agaete-Tal startet, passiert das Refugio El Hornillo
Zeit für eine kleine Rast: Refugio El Hornillo
Wer zum Tamada wandern möchte und im Agaete-Tal startet, passiert die Kirche am Refugio El Hornillo.
Kirche am Refugio El Hornillo

Wenn es am Ende bergab geht, sollte man schon etwas trittsicher sein. In Sachen Fähigkeiten ist die Wanderung ansonsten nicht anspruchsvoll. Aber je nach Trainingsgrad bei der Ausdauer, da einige Höhenmeter zu überwinden sind. Wer seine Knie schonen möchte und daher lieber einen knackigen Anstieg als Abstieg hat, könnte die Tour in entgegengesetzter Richtung wandern. Also: (Haltestelle) San Pedro – Camino de los Romeros – Montaña Bibique – Fuente del Cuervo – Pinar de Tamadaba – vorbei am Stausee Presa de los Perez – El Hornillo – Refugio El Hornillo – Molino de Abajo – Lugar Casas del Camino – (Haltestelle) San Pedro.

Zum Tamadaba wandern: durch eines der schönsten Täler Gran Canarias

Das Agaete-Tal (Valle de Agaete) zieht vor allem am Wochenende viele Ausflügler an. Zählt das Tal doch zu einem der schönsten der Insel. Wer hier unter der Woche wandert, findet jedoch neben der üppigen teils tropischen Vegetation und den herrlichen Aussichten auch Ruhe. Dank eines wasser- und nährstoffreichen Bodens wachsen hier (Dattel-)Palmen, Zitronen, Apfelsinen, Mangos, Papayas, Tomaten oder auch Avocados. Sogar Kaffee wird hier angebaut.

Auf caminos reales zum Tamadaba wandern
Früher die einzigen Wege ins Inselinnere: caminos reales
Zum Tamadaba wandern auf königlichen Pfaden

Die caminos reales (Königswege) sind typisch für die Kanaren. Königswege bedeutet dabei keinesfalls, dass hier ehemals die spanischen Könige entlanggelaufen oder -gewandert wären. Vielmehr waren diese mit Steinen gepflasterten alten Bergwege früher die einzige Möglichkeit, um in das Innere der Insel zu kommen. Die Ureinwohner der Kanaren wussten natürlich, an welchen Stellen sie die Berge gut besteigen, allzu steile Schluchten und andere Gefahren vermeiden konnten. So haben sie nach und nach diese Wege geschaffen. Nachdem die Spanier die Kanaren erobert hatten, begriff die spanische Krone die Bedeutung dieser Wege. Sie veranlasste daher, dass sie erhalten, restauriert und ausgebaut werden sollten. Insofern haben die Könige doch etwas mit diesen alten Bergewegen zu tun.

Der Tamadaba: schön und wichtig

Ein lichter Kiefernwald bedeckt den 1.444 Meter hohen Tamadaba. Der schönste Kiefernwald der Insel (Pinar de Tamadaba) entschädigt den Wanderer dafür, dass er schon einige Strapazen auf sich genommen hat und es auch noch etwas ansteigend weitergeht. Die Kiefern kondensieren das Wasser aus den Passatwolken und spielen daher eine wichtige Rolle für die Wasserversorgung der Insel.

Durch die leuchtende Kiefernpracht des Tamadaba wandern
Die leuchtenden Kiefern des Tamadaba kondensieren Wasser

Auf dem Weg nach dem Stausee durch den Pinienwald kann man auch immer wieder Blicke auf Gran Canarias Wahrzeichen erhaschen: den Roque de Nublo (Wolkenfels). Der „Wolkenfels“ ist eine markante Felsnadel, der Überrest eines ehemaligen Vulkanschlots und das Wahrzeichen von Gran Canaria. Die auffällige Basaltnadel, die aus der Umgebung herausragt, ist mit ihrer Höhe von 1.813 Metern die dritthöchste Erhebung Gran Canarias. Nur der Morro de la Agujereada (1.956 Meter) und der Pico de las Nieves (1.949 Meter) sind höher.

Zum Tamadaba wandern: vorbei an Lost Places, Höhlendörfern & flüssiger Beute

Embotelladora/Balneario de los Berrazales (Agaete-Tal)

Heute bietet das frühere Thermalbad einen etwas tristen Anblick. Im letzten Jahrhundert aber sollen es u. a. Schweizer, Deutsche oder Russen mit Rheuma-, Arthritis- oder Nierenleidenden wegen seiner radioaktiven und eisenhaltigen Quellen aufgesucht haben. Dieses ehemalige Heilbad gehörte zu der Firma, die in den 1930er Jahren das Quellwasser aus den Bergen in Flaschen abfüllte. Seit die Firma geschlossen wurde, steht alles leer. Noch hat die/das Embotelladora/Balneario de los Berrazales alles Zeug zu einem Lost Place. Vielleicht aber nicht mehr lange. Im März 2019 war auf oder neben dem Areal nämlich ein Kran zu sehen (wie das Foto zeigt).

Molino de Abajo

Wo ehemals um die 1.200 Kilo Weizen-, Gersten Körner und anderes Getreide gemahlen worden sein sollen, steht heute nur noch eine Ruine. Um 1902 wurde die frühere Mühle erbaut.

Höhlendorf El Hornillo

Hier kann man sich einen kleinen Eindruck davon verschaffen, wie Dörfer und Siedlungen der Altkanaren ausgesehen haben könnten. Wie Vogelnester und nicht auf den ersten, flüchtigen Blick erkennbar, liegen sie in den Felsen. Die, die durch weiße Farbe hervorgehoben wurden allerdings, erkennt man rasch. Um weitere Höhlen zu entdecken, muss man schon etwas genauer hinsehen.

Refugio El Hornillo

Von San Pedro aus fährt man etwa 40 Minuten mit dem Auto zum Refugio, das immerhin auf etwa 750 Metern liegt. Es schmiegt sich nicht nur malerisch an den Berg, sondern die hauseigene Terrasse direkt neben dem kleinen Kirchplatz schenkt auch herrliche Aussichten für das Agaetetal bis zum Meer und auf die Höhlenwohnungen. Im Refugio El Hornillo bekommt man nicht nur kühle oder warme Getränke, Kuchen oder Herzhaftes: Hier kann man auch übernachten. Die schlichte kleine Kirche Ermita de Santa Teresita, mit der sich das Refugio die herrliche Lage teilt, wurde im 20 Jahrhundert gebaut.

Mit Blick auf den Tamadaba: der Stausee Presa de los Perez

Die Bezeichnung für Stauanlagen verrät wohl schon etwas über die Bedeutung von Stauseen für die Insel: „Embalse“ sagen Spanier nämlich zu Stauseen, die Einwohner Gran Canarias „Presa“. Das bedeutet so viel wie „Beute“ oder „Gefangener“. Wer bis hier zu Fuß gewandert ist und sich etwas umsieht, kann vielleicht ermessen, wie mühsam es gewesen sein muss, ihn zu errichten. Anfang der 1930er Jahre sollen ihn um die 70 Arbeiter Maschinen angelegt haben.

Cuevas de Bibique/Cuevas de Berbique

In prähispanischer Zeit lebten die Altkanarier in diesen Höhlen aus vulkanischem Tuffgestein. Heute nutzen Hirten sie als Ziegenställe.

Auch wenn ich sorgfältig recherchiert habe: Für die Richtigkeit der Angaben kann keine Haftung übernommen werden, weshalb die Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt. Insbesondere bei GPS-Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.

Tamadaba wandern & Agaete-Tal: Weitere Infos & GPS-Daten

Hin & weg etc.

Anspruch: Sehr gute Kondition erforderlich. Überwiegend gut begehbare Wege. Trittsicherheit erforderlich. +++ Reine Gehzeit: 7 bis 8 Stunden +++ Distanz: 16 km +++ Anstieg/Abstieg: ca. 1.100 Höhenmeter +++ Einkehr/Unterkunft: Restaurants und Bars in San Pedro; unterwegs: Refugio El Hornillo +++ Anfahrt/Rückfahrt: Mit Bus 102 bis zur Haltestelle San Pedro/El Lomo fahren +++ Stand: August 2019

GPX Download

Die Tour kann man bei Komoot runterladen. Falls der Link nicht funktioniert, bitte nach Astrid Biesemeier auf Komoot suchen oder mit Copy & Paste versuchen: https://www.komoot.de/tour/57802407. Bitte beachten: Die bei Komoot angegebene Zeit kann unmöglich stimmen. Ich bin sicher 7 bis 8 Stunden gewandert – und war am Ende entsprechend erschöpft 😉 Der Startpunkt der Tour in San Pedro ist u. U. nicht 100 % exakt. Auch hat meine App gegen Ende der Tour aus unerfindlichen Gründen einen geraden Weg angezeigt, wo sich der Pfad in kleinen Serpentinen hinab nach San Pedro schlängelt. Der Weg an der Stelle ist jedoch gut zu erkennen.

Bitte nicht vergessen: Wer in der Natur wandert, ist gewissermaßen im Zuhause anderer Lebewesen unterwegs. Darum sollte man sich im Lebensraum von Pflanzen und Tieren angemessen bewegen.

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