Marmor des Odenwalds erwandern: Waldromantikweg bei Amorbach

Wer im Odenwald wandern möchte, hat das hübsche Städtchen Amorbach nicht unbedingt auf dem Schirm. Dabei schenkt eine lohnenswerte Wanderung zur geschichtsträchtigen Gotthardsruine auf dem Gotthardsberg nicht nur einen Blick auf sieben Täler, sondern gewährt auch abwechslungsreiche Einblicke in die Jahrmillionen alte Erdgeschichte der Region.

Bei Wanderungen im Odenwald trifft man immer wieder auf den rostroten Buntsandstein. So auch in Amorbach: ob bei der spätbarocken Pfarrkirche St. Gangolf im Zentrum der Stadt oder abseits auf dem Waldromantikweg und dem Ziel und Höhepunkt der Tour: der Gotthardsruine, die rund 100 Meter über der Stadt auf dem Gotthardsberg thront. Fein verteiltes Eisenerz (Hämatit) umhüllt die Quarzkörner des Sandsteins und verleiht diesem Buntsandstein die typische rote Farbe. Das Eisen rostete durch den Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit, durch Bleichungsvorgänge entstanden auch gelbliche, z. T. fast weiße Sandsteine. Der feinkörnige, weiche Sandstein aus den Brüchen entlang des Mains wird auch als „Marmor des Odenwalds“ bezeichnet.

Odenwald wandern: Aussicht auf Amorbach vom Waldromantikweg (A9).

Wandern entlang des Odenwald-Marmors

Um auf besagtem Waldromantikweg im Odenwald wandern zu können, verlässt man den Parkplatz über die kleine Brücke und wandert zunächst auf einem Teil des Amorbacher Sandstein-Wegs (ein 5,5 Kilometer langer Rundweg). Dabei passiert man u. a. Bildstöcke aus Buntsandstein: steinerne Zeichen der Dankbarkeit, einer Bitte oder zur Ehre Gottes – in Stein gehauene Gebete. Aber auch auf weiteren Stationen wie dem Sandsteinkreuz Neudorfer Höhe oder der Sonnenuhr an der Sattelhütte trifft man wieder auf den Buntsandstein. Um dorthin zu kommen wandert man in Serpentinen den Sommerberg hinauf.

Odenwald wandern: Ein Abstecher vom Waldromantikweg (A9) führt zum SommerBergerARTen.

Wer mag, kann, bevor es zum Warzenstein geht, nach dem Amelsbrunnen einen kurzen Abstecher zum »SommerBergerARTen« machen, wo ein Künstler den roten Sandstein in seine Kunstwerke integriert hat. Danach muss man aber – wenn der Weg nicht abgekürzt werden soll – wieder zurück auf den Waldromantikweg (früher A9 wie das noch immer gültige Wegzeichen dieser Odenwald-Wanderung). Weiter führt die Odenwald-Wanderung auf dem Waldromantikweg (A9) zunächst zum aussichtsreichen Hochplateau des Höhenorts Neudorf (dort gibt’s auch eine Einkehrmöglichkeit – liegt allerdings nicht auf dem A9). Vor dem Ortseingang biegt man jedoch ab, um wenig später zu einem Rastplatz zu gelangen. Von hier hat man eine herrliche Weitsicht in den Odenwald. Durch einen idyllischen Mischwald geht es von dort aus weiter zum Gotthardsberg mit der Gotthardsruine.

Wüste Zeiten auf dem Gotthardsberg im Odenwald

Auf dem Gotthardsberg: Die Kirchenruine, die heute so romantisch anmutet und deren Aussichtsplattform Blicke auf sieben Täler gewährt, hat ziemlich stürmische Zeiten erlebt. So erklären sich auch die unterschiedlichen Baustile: Das Hauptschiff wurde im romanischen Stil, die beiden Seitenschiffe später im gotischen Stil angebaut. Etwa ab dem 8. Jahrhundert soll auf dem Gotthardsberg eine Fliehburg von ca. 80 x 50 Metern entstanden sein, die ab 1132 zur Burg ausgebaut wurde.

Die Odenwald-Wanderung bei Amorbach führt zur Gotthardsruine auf dem Gotthardsberg: Innenaufnahme des Kreuzes
Die Odenwald-Wanderung bei Amorbach führt zur Gotthardsruine auf dem Gotthardsberg: Blick aus der Kirche ins Tal.

1168 jedoch verfügte Friedrich I. Barbarossa, die Burg zu zerstören. Er sah in der Burg auf dem Gotthardsberg „eine Gefahr für die Kirche Würzburgs“. Die Anlage wurde geschleift, und lediglich die dem heiligen Gotthard geweihte Kapelle blieb erhalten. Der Berg wurde der Kirche übereignet und ein Nonnenkloster errichtet. Im Bauernkrieg 1525 dann brannte Götz von Berlichingen die Anlagen nieder. Nur die Kirche blieb verschont. 1628–1631 werden Kirche und Priorei wieder aufgebaut. Zwar verschont der Dreißigjährige Krieg Amorbach und Gotthardsberg, 1689 und 1714 allerdings wurde die Kirche jeweils durch Blitzschläge zerstört und ist seitdem eine Ruine. Das Dach, wie wir es heute sehen, erhielt die Ruine 1956.

Der Gotthardsruine auf’s Dach steigen

Im Kircheninnern führt eine schmale Wendeltreppe auf’s Dach der Gotthardsruine. Von dort kann man Ausblicke auf Amorbach und die umliegende Region samt ihren Tälern genießen. Nach der Aussicht geht’s bergab. Auf der Südseite der Gotthardsruine führt ein kleiner Pfad hinunter auf den Gotthardsweg, der uns zurück zum Startpunkt bringt.

Wer im Odenwald wandert, kann der Gotthardsruine auf's Dach steigen: Ansicht der Ruine mit dem kleinen Aussichts-Turm.

Tipp: Ausgezeichnet in Amorbach

Wer vor oder nach der Odenwald-Wanderung über den Waldromantikweg noch Amorbach besuchen möchte: Ein Besuch der Barockstadt lohnt. Eines der bekanntesten und besterhaltenen Fachwerke in Deutschland findet sich hier: das Templerhaus in Amorbach. Für die gelungene Restaurierung erhielt es die „Europa Nostra Medaille“.

Die Künstlerin Paula Modersohn-Becker schrieb übrigens 1906, nach einem Besuch bei ihrer Schwester Milly: „Die Ferien bei Dir in Deinem lieben Amorbach sind mir wie ein Traum (…).“

Odenwald-Wanderung: Weitere Infos & GPS-Daten

Länge: 10 km | Auf-/Abstieg: 351 Hm auf und ab | Dauer: 2,5 bis 3 Std. | Anfahrt: mit ÖPNV z. B. zum Bahnhof Amorbach möglich | Technik: + + + + + + | Kondition: + + + + + + | Landschaft: + + + + + + | Erlebnis: + + + + + +

Hin & weg etc.

Start-/Endpunkt: Amorbach, Altstadt-Parkplatz Anfahrt/Rückfahrt: Mit Bahn und/oder Bus nach/von Bahnhof Amorbach, unweit des Startpunkts: Altstadt-Parkplatz (Dr.-F.-A.-Freundt-Straße) +++ Ansprechpartner: Informationszentrum Bayerischer Odenwald, 63916 Amorbach, www.amorbach.de; Mainland Miltenberg-Churfranken e. V., Hauptstr. 57, 63897 Miltenberg, www.churfranken.de +++ Stand: Mai 2020

GPX Download/Wanderzeichen

Die Tour folgt einem gut ausgezeichneten Rundwanderweg: ein weißes A über einer darunterstehenden 9, die fast von einem weißen Kreis umschlossen ist.

Stationen der Odenwald-Wanderung bei Amorbach: Vom Altstadt-Parkplatz (Dr.-F.-A.-Freundt-Straße) auf den Sommerberg und vorbei an Neudorf zur Gotthardsruine auf dem Gotthardsberg. Auf der Südseite über einen kleinen Pfad hinunter auf den Gotthardsweg und zum Ausgangspunkt.

Auch wenn ich sorgfältig recherchiert habe: Für die Richtigkeit der Angaben kann keine Haftung übernommen werden, weshalb die Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt. Insbesondere bei GPS-Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.

Bitte nicht vergessen: Wer in der Natur wandert, ist gewissermaßen im Zuhause anderer Lebewesen unterwegs. Darum sollte man sich im Lebensraum von Pflanzen und Tieren angemessen bewegen.

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