Auf den Altkönig wandern: unverbautes Gipfelglück im Taunus

Der Altkönig ist mit 798,2 Metern zwar nicht der höchste, jedoch der schönste Taunusgipfel. Hier, wo kein Motor brummt, kann man die Taunusruhe genießen und eindrucksvolle keltische Ringwälle besichtigen. Um auf diesen schönen Taunusgipfel zu wandern, braucht man je nach Kondition etwas Ausdauer und Trittsicherheit. Mit 10,5 Kilometern und 500 Höhenmetern hoch und 550 hinunter ist die Tour aber gut machbar (Verlängerungsvorschlag unten). Und mit dem ÖPNV erreicht man gut den Startpunkt Hohemark. Die Wanderung endet in Kronberg, von wo aus man leicht mit der S-Bahn zurückkommt.

Die Taunus-Wanderung auf den Altkönig wird zu Beginn vom Plätschern des Urselbachs begleitet.
Die Taunus-Wanderung auf den Altkönig wird zu Beginn vom Plätschern des Urselbachs begleitet.

Der Auftakt der Wanderung entlang des Urselbachs verläuft ganz flach. Ein wenig aufwärts geht es dann allerdings auf dem Weg zur Weißen Mauer. Dieses während der Eiszeit entstandene Felsenmeer besteht wie die Ringwälle des Altkönigs aus Taunusquarzit. Die hellen, manchmal sogar weißen oder auch hellbraunen Steine sind jedoch kein echtes Quarzit, sondern durch Kieselsäure verfestigter Sandstein. Auch am Brunhildisfelsen auf dem Großen Feldberg oder beim Goldgrubenfelsen oberhalb der Hohemark kann man den Taunusquarzit entdecken.

Über die Weiße Mauer auf den Altkönig: Diese Taunus-Wanderung führt vorbei am Feelsenmeer aus Taunusquarzit.
Felsenmeer im Taunus: die Weiße Mauer.

Von der Weißen Mauer aus geht es noch etwas höher hinauf zum Altkönig. Zwei Ringwälle aus Taunusquarzit umziehen den Berggipfel des Altkönigs. Ob sie eine Fluchtburg, einen Fürstensitz oder ein Bergheiligtum abschirmen sollten, ist nicht klar. Auch nicht eindeutig geklärt ist, woher der Name Altkönig stammt. Möglicherweise aber ist er vom keltischen Wort für Höhe „alkin“ abgeleitet.

Wer auf den Altkönig wandert, wird sie sehen: Die Überreste keltischer Ringwälle aus Taunusquarzit.
Die Überreste der keltischen Ringwälle säumen die Wanderung am Altkönig.

Zum geheimnisvollen Glanz auf dem Altkönig wandern

Seit der Limes-Erforscher Carl August von Cohausen gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Ringwälle auf dem Altkönig untersuchte, ist zumindest gesichert, dass sie keltischen Ursprungs sind und aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert stammen. Sicher ist auch, dass sie die zusammengefallenen Überreste von ehemals vier bzw. sechs Meter dicken Mauern sind, die zu Keltenzeiten innen und außen mit senkrechten Pfosten und verbindenden waagrecht verlaufende Balken zusammengehalten wurden. Was heute wie eine jener Geröllansammlungen aussieht, wie sie beispielsweise auch in Flussbetten vom Wasser angespült werden, befeuerte in früheren Jahrhunderten die Fantasie der Menschen. Denn anders als heute war der Altkönig nicht immer bewaldet, die weißen Steine aus Taunusquarzit konnte man je nach Wetterlage also weithin glänzen sehen.

Blick vom Altkönig auf den höchsten Taunusgipfel: den Großen Feldberg.
Blick den höchsten Taunusgipfel. Vom Altkönig aus sieht man den Feldberg.

Altkönig: Zoff um den Gipfel

Der Altkönig im Taunus ist mit seinem keltischen Erbe nicht nur ein Kulturdenkmal, sondern auch ein Naturdenkmal. Daher gab es 2015 Zoff um eine illegal errichtete Hütte, die auch Infotafeln beherbergen sollte. Doch nicht nur 2015, als die Hütte entfernt wurde, hatte dieser schönste Taunusgipfel Glück: Bereits 1860 sollte mit dem Uhland-Turm (benannt nach dem deutschen Dichter, Literaturwissenschaftler, Juristen und Politiker sowie Abgeordneten der ersten Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche Johann Ludwig Uhland, 1787–1862) ein großer Turm auf dem Altkönig entstehen. Wie so oft scheiterte der Plan am Geld. 30 Jahre später war abermals ein Turm auf dem Altkönig im Gespräch. Diesmal scheiterte die Umsetzung nicht nur am Geld, sondern auch aus archäologischen und Denkmalschutzgründen: Man befürchtete, dass für den Bau eines Turms die Steine der eindrucksvollen keltischen Ringwälle benutzt werden könnten.

Steinerne Zeugen im Taunus

Nahe Kronberg und bereits im Wald liegt ein kleiner jüdischer Friedhof, der bereits im Spätmittelalter errichtet wurde. Unter den Nationalsozialisten wurde er 1933 geschlossen und die meisten Gräber eingeebnet. 38 Grabmäler blieben erhalten und stehen dort heute als Zeugen der Vergangenheit.

Kleiner jüdischer Friedhof im Taunus
Steinerne Zeugen der Vergangenheit in Kronberg am Taunus.

Ab in die Verlängerung: vom Altkönig wandern zu weiteren Keltenwelten im Taunus

Wer die Wanderung verlängern möchte, kann beispielsweise noch den Keltenrundweg an der Hohemark >> machen. Er führt durch das Heidetränk-Oppidum, die ehemals von den Kelten errichtete erste Großstadt im Rhein-Main-Gebiet. Auch kann man vom Jüdischen Friedhof oder auch näher bei Kronberg etwa 4-5 Kilometer zur Hohemark wandern.

Eine etwa 22,5 Kilometer lange Taunus-Wanderung inklusive Altkönig findet sich auf diesem Blog unter „Im Taunus wandern: Am Zacken-Beilstein-Steig wird’s gebirgig“ >>. Zu der Wanderung können auch die GPS-Daten unter meinem Komoot-Profil (öffentlich zugängig) >> abgerufen werden.

Taunus-Wanderung auf den Altkönig: weitere Infos & GPS-Daten

Hin & weg etc.

Anfahrt/Rückfahrt: Mit Bahn und/oder Bus nach/von Oberursel/Hohemark oder Kronberg +++ Ansprechpartner: Taunus Touristik Service e.V. Taunus-Informationszentrum, Hohemarkstraße 192, 61440 Oberursel (Taunus), Telefon: (0 61 71) 50 78 0, E-Mail: ti@taunus.info, Web: https://taunus.info +++ Stand: November 2019

GPX Download

Die Taunus-Wanderung zum Altkönig folgt keinem markierten Weg. Die GPS-Daten zur langen Tour finden Sie aber unter Astrid Biesemeier bei Komoot. Wenn man noch über den Fuchstanz möchte, dann würden es etwa 15 Kilometer.

Auch wenn ich sorgfältig recherchiert habe: Für die Richtigkeit der Angaben kann keine Haftung übernommen werden, weshalb die Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt. Insbesondere bei GPS-Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.

Bitte nicht vergessen: Wer in der Natur wandert, ist gewissermaßen im Zuhause anderer Lebewesen unterwegs. Darum sollte man sich im Lebensraum von Pflanzen und Tieren angemessen bewegen.

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