Im Taunus wandern: auf den Spuren einer vergangenen Welt

Viele Menschen begeistern sich für die Kelten und deren Welten. Unweit von Frankfurt, am Rand des Taunus liegt eine der größten den Archäologen bisher bekannten Höhensiedlungen aus keltischer Zeit. Ein kurzer Rundwanderweg führt durch sie hindurch. 16 Infotafeln an den Wegstationen zeigen dabei, wie ehemals das Leben der Kelten ausgesehen hat. Karten, Tafeln, Bilder und Rekonstruktionen weisen auf die noch heute sichtbaren Spuren wie frühere Tore oder Stadtmauern hin. Einige „Fernrohre“ ermöglichen es, geradewegs in die Welt der Kelten zu blicken.

Dieser kurze Rundwanderweg eignet sich wunderbar, um frische Waldluft außerhalb der Stadt mit einer lehrreichen kleinen Wanderung zu verbinden. Auch wenn es ein paar Steigungen gibt: Die kurze Strecke erfordert weder Kondition noch besondere Trittsicherheit. Als Wegmarkierung dient ein stilisierter Keltenkopf (der von einer in der Region geprägten Münze stammt, dem sogenannten „Nauheimer Quinar“).

Erste Großstadt im Rhein-Main-Gebiet

Die Kelten besiedelten ab etwa dem 5. Jahrhundert vor Christus weite Teile Europas. Bei so ziemlich allem, was Forscher über dieses Volk wissen, stützen sie sich auf Schilderungen griechischer und römischer Autoren. Weder der Name »Kelten« nämlich, noch die wenigen Aussagen, die über dieses geheimnisvolle Volk gemacht wurden, stammen von den Kelten selbst. Die Kelten hatten nämlich keine eigene Schriftkultur. Griechische und römische Autoren sind daher die einzigen Quellen, die ihre Ansichten und Einschätzungen über die Kelten hinterlassen haben. Keine Frage: Diese Zeugnisse waren auch interessensgeleitet. Wandert man jedoch dem Keltenrundweg nahe der U-Bahn-Station Hohemark, kann man immerhin einen Eindruck von den Hinterlassenschaften dieses geheimnisvollen Volkes gewinnen.

Die erste „Großstadt“ des Rhein-Main-Gebiets erstreckte sich über die Höhenrücken Altenhöfe und Goldgrube zu beiden Seiten des Heidetränkbachs. Und auch wenn die einstige Kelten-Siedlung an der Peripherie der keltischen Ausdehnung lag, so war die Stadt doch vergleichbar mit der Bedeutung des heutigen Frankfurt. Die „Oppida“ genannten spätkeltischen Städte gehören zu den eindrucksvollsten Hinterlassenschaften der keltischen Kultur im späten 2. und 1. Jahrhundert vor Christus. Auch gut geschützte Heidetränk-Oppidum bei Oberursel stammt aus dieser Zeit. Über zehn Kilometer erstreckten sich ehemals die Stadtmauern, 130 Hektar maß die Heidetränk-Gebiet. Mit diesen Ausmaßen war das Oppidum größer als einige mittelalterliche aber auch neuzeitliche Städte.

In die Vergangenheit gucken

Eine besonders schöne Idee: An einigen Stationen kann man auch mit einem Fernrohr in die Zeit der Kelten gucken. Nach und nach wird deutlich, warum im Heidetränk-Oppidum trotz seiner Lage am Rand der keltischen Welt Handel und Handwerk blühten. Schwer vorstellbar beim Gang durch den Taunuswald: Zur Zeit der Kelten war hier keineswegs mehr Waldgebiet, da das Holz u. a. für Stadtmauern, Hausbau oder auch Herstellung von Holzkohle längst verbraucht worden war.


Um 50 vor Christus wurden die meisten keltischen Städte verlassen, vermutlich auch das Heidetränk-Oppidum. Was aus den Kelten wurde, ist weitestgehend unbekannt. Klar ist, dass germanische Krieger und Siedler vom Norden und die Römer aus dem Süden ins Rhein-Main-Gebiet vordrangen. Um das Jahr 70 herum ist das römische Militär wieder im Rhein-Main-Gebiet präsent, ab ca. 85 n. Chr. beginnt der Bau des Limes. Zu diesem Zeitpunkt war das Heidetränk-Oppidum nur noch eine Ruine im Wald.

Wanderung verlängern

Wer die kleine Tour noch etwas ausdehnen möchte, kann beim Goldgrubenfelsen (nach etwa 2,1 km des Rundwegs) den eigentlichen Rundweg verlassen, um in Richtung Norden zum Bleibeskopf zu wandern (ca. 5,9 km). Hier liegt auch eine weniger bekannte Ringwallanlage aus der Bronzezeit (ca. 800 v. Chr.). Gut machbar ist auch auch die Tour auf den schönsten Taunusgipfel, den Altkönig. Auch hier sehen Wanderer mit den ehemaligen Ringwällen aus Taunusquarzit keltisches Erbe (zur Altkönig-Wanderung samt GPS-Daten geht’s hier >>).

Auch wenn ich sorgfältig recherchiert habe: Für die Richtigkeit der Angaben kann keine Haftung übernommen werden, weshalb die Nutzung auf eigene Gefahr erfolgt. Insbesondere bei GPS-Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.

Bitte nicht vergessen: Wer in der Natur wandert, ist gewissermaßen im Zuhause anderer Lebewesen unterwegs. Darum sollte man sich im Lebensraum von Pflanzen und Tieren angemessen bewegen.

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